Entscheidungen treffen – 5 flexible Wege

von | Dez. 15, 2025 | WB - Agilität | 0 Kommentare

In Zeiten schneller Veränderungen ist Flexibilität Voraussetzung für Erfolg. Doch sie entsteht nicht durch Chaos oder Beliebigkeit, sondern durch klare Entscheidungen, flache Hierarchien und eigenverantwortliches Handeln. Unternehmen, die verstanden haben, dass Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit über den wirtschaftlichen Erfolg entscheiden, setzen auf Entscheidungsformen, die Nähe zur Information und kollektive Intelligenz verbinden.

Was dich in diesem Beitrag erwartet

  1. Flache Strukturen bedeuten Nähe zu Informationen
  2. Autonome Teams und Informationsfluss
  3. Entscheidungsformen für flexible Organisationen

Flache Strukturen bedeuten Nähe zu Informationen

Ein flexibles Unternehmen erkennt, dass Entscheidungen dorthin gehören, wo die Informationen liegen. Je mehr Hierarchiestufen eine Entscheidung durchlaufen muss, desto langsamer reagiert die Organisation. Dadurch steigt das Risiko, dass Informationen verfälscht und Chancen verpasst werden. Moderne Unternehmen fördern deshalb dezentrale Entscheidungsräume. Dieser Ansatz stärkt nicht nur die Reaktionsfähigkeit, sondern auch das Verantwortungsbewusstsein und die Motivation der Mitarbeitenden.

Praxistipp
Definiere klare Entscheidungsdomänen. Wer entscheidet was und auf welcher Grundlage? Transparenz in Entscheidungsrechten schafft Orientierung und sorgt für psychologische Sicherheit.

Autonome Teams und Informationsfluss

Autonome Teams sind das Rückgrat agiler Organisationen. Sie erkennen Veränderungen früh, testen neue Wege und handeln innerhalb eines klaren Rahmens. Damit das funktioniert, braucht es einen möglichst ungehinderten Informationsfluss. Agile Unternehmen nutzen hierfür ein „Informationszentrum“ als Knotenpunkt, der sicherstellt, dass relevante Informationen, wie bspw. neue Markttrends, Kundenfeedback oder interne Entwicklungen, schnell und zielgerichtet in der Organisation verteilt werden. Das kann durch digitale Tools wie Kollaborationsplattformen, Dashboards oder Kommunikations-Apps geschehen.

Auch eine offene, agile Kommunikationskultur, in der Teams und Mitarbeitende regelmäßig und transparent Einblicke teilen, sich austauschen und gemeinsam reflektieren, fördert den notwendigen Informationsfluss. So können Erkenntnisse unmittelbar in Entscheidungen und Anpassungen einfließen. 

Wichtig ist, dass bei aller Autonomie nicht vergessen wird, auch eine gemeinsame Ausrichtung, also ein gemeinsames Alignment, sicherzustellen. Aus dem sinnvollen Grad an Autonomie und der notwendigen Alignment entsteht so ein natürliches Spannungsfeld.

Wie klare Ausrichtung echte Autonomie möglich macht

Das Diagramm zeigt: Autonomie funktioniert nur mit klarer Ausrichtung.

Führungskräfte, die Teams mehr Freiraum geben wollen, müssen zuerst Orientierung schaffen.

Die vier Felder im Überblick – und was du daraus lernen kannst:

Unten links – Mikromanagement & Gleichgültigkeit:

Hier herrscht Stillstand. Es fehlt an Richtung und Vertrauen. Teams sind orientierungslos und reaktiv.

Achtung: Hier verlierst du Talente.

Oben links – Autoritärer Stil:

Ziele sind klar, aber das „Wie“ wird vorgeschrieben. Entscheidungen laufen zentral, Innovation wird gehemmt.

Gut für Krisen, schlecht für Veränderung.

Unten rechts – Chaos trotz Motivation:

Mitarbeitende sind aktiv, aber ohne gemeinsames Ziel. Jeder arbeitet für sich, statt miteinander.

Viel Bewegung, aber keine Wirkung.

Oben rechts – Zielbild: Agile Organisation:

Klare Richtung trifft auf Gestaltungsspielraum. Teams wissen, wohin es geht, aber entscheiden selbst, wie sie dort hinkommen.

Hier entstehen Eigenverantwortung, Innovation und Zusammenarbeit.

So nutzt du das Modell in der Praxis

  1. Formuliere das „Warum“ und „Was“ deiner Führung – nicht das „Wie“. Statt: „Baut eine Brücke“, lieber: „Wir müssen über den Fluss. Findet heraus, wie.“
  2. Kläre regelmäßig die gemeinsame Richtung: Was ist unser übergeordnetes Ziel? Was bedeutet Erfolg?
  3. Stelle sicher, dass alle dieselbe Landkarte haben: Vision, Werte, Erwartungen – sind sie klar? Sind sie geteilt?
  4. Ermögliche bewusste Autonomie: Nicht alles delegieren – sondern Verantwortung dort geben, wo Klarheit herrscht.
  5. Reflektiere mit deinem Team regelmäßig:
    • Haben wir ein gemeinsames Ziel?
    • Haben wir genügend Entscheidungsfreiheit?
    • Wo müssen wir nachjustieren?

Die 5 Entscheidungsformen für flexible Organisationen

Entscheidungen können auf ganz unterschiedliche Art und Weise getroffen werden. Nachfolgend zeige ich dir 5 gängige Möglichkeiten.

Demokratisch
Jede Stimme zählt gleich und die (einfache oder ⅔) Mehrheit entscheidet. Diese Form der Entscheidungsfindung motiviert und stärkt das Gemeinschaftsgefühl, kann aber in dringenden Situationen zu langsam sein. Sie ist ideal bei wertebasierten, kulturellen oder visionären Entscheidungen.

Soziokratisch
Kreise treffen Entscheidungen innerhalb ihres Verantwortungsbereichs, wobei Rollen und Rückkopplungen systematisch miteinander verknüpft sind. Entscheidungen werden im „Konsent“ (siehe unten) getroffen. So entsteht ein Gleichgewicht zwischen Effizienz und Beteiligung. Mehr Details zu soziokratischen Basisprinzipen kannst du hier nachlesen.

Konsens
Alle müssen vollumfänglich der Entscheidung zustimmen. Diese Form schafft hohe Identifikation, ist aber zeitintensiv. Sie eignet sich bei grundlegenden Kultur- oder Strategieentscheidungen, bei denen langfristige Tragfähigkeit wichtiger ist als Geschwindigkeit.

Konsent
Statt, wie bei einer Konsens-Entscheidung, zu fragen „Sind alle dafür?“ heißt hier die Leitfrage: „Gibt es einen schwerwiegenden Einwand?“ Diese Haltung nutzt die kollektive Intelligenz und verhindert Blockaden. Konsent-Entscheidungen sind in der Regel zügig und experimentfreundlich.

Konsultativ
Eine Person entscheidet, nachdem sie relevante Expert:innen und Betroffene konsultiert hat. Diese Form kombiniert Eigenverantwortung mit Schwarmwissen und ist somit schnell, aber informiert. Besonders geeignet für Führungskräfte in dynamischen Kontexten.

Mein Praxistipp: Wähle die Entscheidungsform bewusst je nach Kontext. Nicht jede Situation braucht das gleiche Maß an Schnelligkeit oder Beteiligung.

Flexibilität zeigt sich also in Unternehmen als Entscheidungsfreude, Lernbereitschaft und Vertrauen in die Kompetenz der Menschen. Wer den Mut hat, Verantwortung dorthin zu geben, wo Wissen und Erfahrung sitzen, schafft den größten Hebel für Agilität.


Starte doch gleich heute mit einem Entscheidungs-Review: Welche Entscheidungen laufen unnötig zentral? Wo könnten Teams mehr Verantwortung übernehmen? Weitere Tipps für Unternehmer:innen findest du in meiner Wissensbank.

💡 Über die Autorin

Lucy Larbi – Expertin für Agilität & Vielfalt

 

Lucy Larbi ist Zukunftsdenkerin und Beraterin für mittelständische und große deutsche Unternehmen, die sich mit der agilen Transformation beschäftigen. Schlanke Prozesse und leistungsstarke Teams zu entwickeln sind ihre Expertise.

Zudem begleitet sie Unternehmen in allen Fragen rund um Diversität & Inklusion und verhilft ihnen mit gezielten Strategien zu mehr Vielfalt.

Sie ist außerdem Gründerin von FoG-Germany und Initiatorin von AiDiA – dem ersten Afrodeutschen Startup Pitch Event.

Jetzt Kontakt aufnehmen
hello@lucylarbi.de
www.lucylarbi.de

Jetzt Kennenlerngespräch buchen