5 Tipps, damit deine Retrospektiven wertvoll und spannend bleiben

von | Dez. 30, 2025 | WB - Agilität | 0 Kommentare

Das Jahresende ist die perfekte Zeit, um innezuhalten, zurückzublicken und neue Ziele zu setzen. Dieses Gefühl kannst du nutzen, um deine Retrospektiven neu zu beleben. Gerade jetzt birgt die Retrospektive das Potenzial, das Team zu motivieren und gemeinsam energievoll ins neue Jahr zu starten. Mit ein paar kleinen Kniffen wird die Retrospektive von einer Pflichtübung wieder zu einem Raum für Inspiration, echte Verbesserungen und Teamzusammenhalt.

Was dich in diesem Beitrag erwartet

Starte mit einer kurzen, kreativen Einstiegsfrage

Der Einstieg in eine Retrospektive entscheidet oft über die Stimmung der gesamten Session. Statt mit dem klassischen „Was lief gut, was schlecht?“ zu starten, bringe dein Team mit ungewöhnlichen Fragen zum Nachdenken und Erzählen. Frag zum Beispiel: „Welcher Moment im letzten Sprint hat dich richtig stolz gemacht?“ oder „Wenn dieser Sprint ein Song wäre, welcher wäre das?“ Solche Fragen bringen Humor und Emotion ins Spiel, lockern die Atmosphäre und helfen, dass alle offen und persönlich ins Gespräch kommen. 

Wechsle regelmäßig das Format

Routine killt Motivation. Deshalb lohnt es sich, die Struktur der Retros regelmäßig zu verändern, um das Interesse wachzuhalten. Klassiker wie „Mad, Sad, Glad“ helfen, Gefühle konkret auszudrücken. „4Ls“ (Liked, Learned, Lacked, Longed for) fördern das ganzheitliche Nachdenken über den Sprint. Auch stille Retros, bei denen zunächst alle Gedanken schriftlich gesammelt werden, können die Hemmschwelle senken und mehr Teilnahme fördern. Probiere mindestens alle zwei Monate ein neues Format aus und frage dein Team nach Feedback dazu, um die Retros dynamisch und passend zu gestalten. Ich lasse mich hierbei gerne von den Liberating Structures inspirieren.

Setze auf Visualisierungen und interaktive Tools

Es motiviert Menschen, wenn Dinge sichtbar werden und gemeinsam gestaltet werden können. Ob analog mit bunten Post-its und Whiteboard oder digital mit interaktiven Tools wie Miro oder MURAL – Visualisierungen helfen, Gedanken zu ordnen und Ideen greifbar zu machen. Sie bringen auch zurückhaltende Teammitglieder ins Boot, da Ideen nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich oder bildlich eingebracht werden können. Spontane Skizzen oder Farben für unterschiedliche Stimmungen schaffen einen spielerischen und kreativen Raum, der die Retro lebendig macht.

Fokussiere auf konkrete, kleine Verbesserungen

Anstatt in Retrospektiven gleich die großen Revolutionen anzustoßen, setze deinen Fokus auf kleine, direkt umsetzbare Maßnahmen. Frage dein Team: „Was können wir in den nächsten zwei Wochen ausprobieren, das unseren Alltag leichter macht?“ Solche „Quick Wins“ sorgen für spürbare Veränderungen, geben allen das Gefühl von Fortschritt und vermeiden Überforderung. Der Vorteil ist: Kleine Erfolge festigen den Glauben an die Retrospektive und treiben kontinuierliche Entwicklung an, ohne dass das Team erschöpft oder entmutigt wird.

Ende mit einem positiven Abschluss

Das Ende einer Retrospektive ist entscheidend für den Impact und die Motivation, die sie hinterlässt. Statt nur To-do-Listen aufzuschreiben, lade dein Team ein, eine persönliche, positive Perspektive zu teilen: „Was nimmt jeder von uns motiviert mit in den nächsten Sprint, so dass wir gemeinsam besser werden?“ Dieser bewusste Abschluss stärkt das Gemeinschaftsgefühl und sorgt dafür, dass alle mit einer guten Energie gehen. Ein positiver Abschluss gibt dem Team außerdem das Gefühl, etwas Wertvolles erlebt zu haben. So freut man sich direkt auf die nächste Retro!

Lass dich von der besonderen Zeit um Weihnachten und Neujahr inspirieren, um deine Retrospektiven neu zu gestalten und zu beleben. Die Kombination aus Kreativität, kleinen Erfolgen und positiver Teamdynamik macht deine Retrospektiven effektiver und zu einem kleinen Highlight im Arbeitsalltag. 

Und jetzt? Einfach loslegen, zum Beispiel mit “Mad, Sad, Glad”

Du brauchst:

  • 90 Minuten Zeit
  • Dein Team
  • einen Raum
  • Sticky Notes, Stifte, White Board oder eines der genannten online-Tools
Einführung (5 Min.)Erkläre, warum ihr da seid, was eine Retrospektiven ist und welches Ziel sie hat
Sammeln (15 Min.)Sammelt für alle Spalten (Mad, Sad Glad) relevanten Punkte. Ein Punkt pro Sticky Note, damit ihr die Punkte im Anschluss zu größeren Themen zusammenfassen könnt. Die Sammlung kann in Stillarbeit passieren oder auch mit der Liberating Structure 1-2-4-all.
Clustering (10 Min.)Je Spalte fasst ihr einander ähnliche Punkte zusammen. Geht dabei über alle Sticky Notes und klärt Fragen, wenn die Punkte nicht selbsterklärend sind. Die ganze Gruppe soll verstehen, was auf den Stickys steht. Beginnt das Clustering mit der “Glad” Spalte, um einen positiven Grundton zu setzen.
Voting (5 Min.)Wählt jetzt die Themengebiete (Cluster aus dem vorherigen Schritt) aus, für die ihr Verbesserungsmaßnahmen ableiten wollt. Das könnt ihr beispielsweise über ein Dot-Voting machen, bei dem alle Teammitglieder 3 Punkte frei auf die Themen verteilen können.
Analyse (20 Min.)Für die priorisierten Themengebiete betreibt ihr jetzt Ursachenanalyse, um im Anschluss passende Verbesserungsmaßnahmen ableiten zu können. Eine gute Methode hierfür sind die 9 Whys: Bei jeder genannten Ursache für ein Problem fragt ihr: Warum ist diese Ursache aufgetreten? Das macht ihr so lange, bis ihr wirklich zur Basisursache vorgedrungen seid.
Maßnahmen ableiten (25 Min.)Leitet für die Beseitigung der Basisursache maximal 3 konkrete Maßnahmen ab, auf die euer Team Einfluss hat. Legt fest, wer, was, bis wann macht und wie ihr euren Fortschritt messt. Die Verbesserungsmaßnahmen könnt ihr auch in euer Backlog aufnehmen, so dass sie nicht in Vergessenheit gerät. 
Abschuss & Feedback (10 Min.)Beende die Retrospektive mit einer Checkout Runde und frage dein Team nach Feedback zur Retro, so dass ihr euch auch hier kontinuierlich verbessern könnt.

#Für weitere Praxitipps kannst du meine Wissensbank besuchen.

💡 Über die Autorin

Lucy Larbi – Expertin für Agilität & Vielfalt

 

Lucy Larbi ist Zukunftsdenkerin und Beraterin für mittelständische und große deutsche Unternehmen, die sich mit der agilen Transformation beschäftigen. Schlanke Prozesse und leistungsstarke Teams zu entwickeln sind ihre Expertise.

Zudem begleitet sie Unternehmen in allen Fragen rund um Diversität & Inklusion und verhilft ihnen mit gezielten Strategien zu mehr Vielfalt.

Sie ist außerdem Gründerin von FoG-Germany und Initiatorin von AiDiA – dem ersten Afrodeutschen Startup Pitch Event.

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